Grundsätze der Kooperation

Grundsätze der Kooperation

deutsch      englisch            französisch            spanisch

 


Geschichte & Grundsätze

Alles fing während des 2. Vatikanischen Konzils an, als der damalige Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart mit Bischofskollegen aus aller Welt zusammentraf und deren Sorgen und Nöte kennen lernte. Bald darauf begannen die Gläubigen der Diözese Rottenburg-Stuttgart, sich ihrer weltkirchlichen Verantwortung bewusst zu werden. Bereits 1964 wurde die erste „Dritte Welt“-Kampagne auf Diözesanebene gestartet, die zu aktiver Solidarität mit den armen und Bedürftigen in Afrika aufrief.

Heute gibt es auf der Leitungsebene des Bistums eine (1967 gegründete) Hauptabteilung Weltkirche mit elf Mitarbeitern. Sie wird von Domkapitular Dr. Heinz Detlef Stäps geleitet. Seit dem Vatikanum II konnte die Diözese Rottenburg-Stuttgart unzählige Kleinprojekte von Schwesterkirchen in mehr als 100 Ländern Afrikas, Asiens, Lateinamerikas und Süd-Ost-Europas unterstützen. Viele langjährige Partnerschaften zwischen der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Bistümern in aller Welt gehen auf diese Kontakte zurück. Manch altbekannter Partner wendet sich noch immer nach Rottenburg, wenn er Hilfe benötigt.

In Zeiten moderner Kommunikationsmittel muss jedoch eine steigende Zahl Erstanträge von Projektträgern berücksichtigt werden, mit denen die Diözese Rottenburg-Stuttgart bisher noch nicht in partnerschaftlicher Beziehung stand. Diese Broschüre soll diejenigen, die uns zum ersten Mal um Hilfe für ihre Pastoral- und Entwicklungsarbeit ersuchen, mit unseren Richtlinien und Kriterien für die Gewährung finanzieller Unterstützung vertraut machen.

Das Prinzip unserer Arbeit lässt sich am besten mit einem Zitat aus der Enzyklika Johannes Pauls II. Sollicitudo Rei Socialis umschreiben. Der Hauptbeitrag der Kirche zur Lösung der drängenden Entwicklungsproblematik, so der Papst, bestehe darin, die Wahrheit über Christus, die Kirche selbst und den Menschen zu verkünden und sie auf eine konkrete Situation anzuwenden (vgl. Nr. 41).

Wir sehen unser Engagement für eine ganzheitliche Entwicklung der Menschen und ihre Befreiung von jeder Art Unterdrückung als Teil der Mission „ad gentes“. Der Unterentwicklung kann nicht mit halbherzigen Maßnahmen begegnet werden. Menschlicher Fortschritt, spirituelle Tiefe und sinnerfülltes Leben sind unauflösbar miteinander verflochten.

Bei der Diskussion über die weltweite und soziale Dimension der Nächstenliebe im Rahmen unserer Diözesansynode 1985/86 hielten die Teilnehmer fest, dass „das Füreinander und Miteinander der Kirchen in Nord und Süd, Ost und West die Lebensäußerungen der Gemeinden bestimmen wird. Früchte daraus können Partnerschaften mit Gemeinden in Ländern der Dritten Welt sein“.

Wenn wir auch nach wie vor zur personellen, geistig-geistlichen und Materiellen Kooperation mit den osteuropäischen und überseeischen, zumal den jungen Ortskirchen aufgerufen sind, kann diese Zusammenarbeit doch nur in der Haltung eines wechselseitigen Gebens und Empfangens geschehen. So beteiligt sich die Diözese Rottenburg-Stuttgart am weltweiten Entwicklungs- und Evangelisierungsprozess, indem sie Projekte direkt unterstützt, die von den lokalen Kirchen selbst initiiert und getragen werden.

Regeln & Richtlinien

Die Hilfswerke der Katholischen Kirche in Deutschland stehen nicht in Konkurrenz zu uns. Vielmehr besteht eine enge Zusammenarbeit und Arbeitsteilung mit diesen Organisationen. Große und kostspielige Projekte von überregionaler Bedeutung fallen z.B. nicht in unsere Zuständigkeit. Die folgenden Kriterien, nach denen alle bei uns eingehenden Projektanträge beurteilt werden, sind in Übereinstimmung mit den Vergaberegeln der Werke aufgestellt:

  • Der Projektpartner ist uns bekannt oder durch zuverlässige Gewährsleute empfohlen.
  • Das Projekt ist realistisch, plausibel, wirtschaftlich geplant und hält kritischer Prüfung stand.
  • Der Ortsbischof oder Ordensobere unterstützt das Projekt, das den realen Bedürfnissen der Ortskirche, der Menschen und den gesetzlichen Vorschriften entspricht.
  • Die Personen, die das Projekt durchführen, sind zuverlässig und kompetent.
  • Die Eigenleistung (in Form von Land, Arbeit, Material, Geld o.a.) macht mindestens 10 Prozent der Gesamtkosten aus.
  • Vorrang haben die Projektbereiche: Bildung, Gesundheit, Soziales; insbesondere Behinderte­narbeit, Alphabetisierung, Selbstversorgungs­landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Trink­wasserversorgung, erneuerbare Energie.
  • Einkommen schaffende Projekte von Diözesen, Pfarreien oder Ordensgemeinschaften als Schritt in Richtung auf finanzielle Unabhängigkeit werden auch berücksichtigt.
  • Wegen der Vielzahl uns erreichender Anträge können wir maximal ein Projekt pro Jahr und Diözese oder Ordensgemeinschaft berücksichtigen. Grundsätzlich nicht gefördert werden profitorientierte und politische Organisationen, Privatleute, Nachfinanzierungen, von bereits begonnenen oder durchgeführten Projekte, Maß­nahmen zur Schuldentilgung, laufende Kosten sowie Forschungsvorhaben.
  • Die Hauptabteilung Weltkirche kann jederzeit verlangen, Bücher, Belege und andere Arbeits­papiere einzusehen. Sie kann auch selbst oder durch beauftragte Gewährsleute vor Ort über­prüfen, ob die bewilligten Gelder zweck­entsprechend verwendet wurden.

 

 

Antragsverfahren

Projektanträge werden das ganze Jahr über entgegengenommen. In der Reihenfolge des Eingangs wird geprüft, ob sich das Projekt mit den Grundsätzen und dem Budget der Hauptabteilung Weltkirche vereinbaren lässt. Es gibt kein spezielles Antragsformular, die Anträge müssen uns jedoch auf dem Postweg zugehen. Wir bitten, darauf zu achten, dass die Anträge folgende Angaben enthalten:

  • Name und Adresse der Person/Organisation, die Unterstützung beantragt (Antragsteller/in);
  • Name und Adresse der rechtlich verantwortlichen Person/Organisation (Projektträger/in), falls nicht mit dem/der Antragsteller/in identisch;
  • Name und Adresse des/r Projektleiters/in;
  • Antragsdatum;
  • offizieller Titel des Projekts oder Programms;
  • kurze und bündige Beschreibung des Vorhabens;
  • Ziele des Projekts oder Programms (mit Beschreibung der Zielgruppe);
  • Zeitplan;
  • Angaben zu Projektkosten (Unterscheidung nach Ausgabearten: z. B. Betriebs-, Personalkosten, einmalig ...);
  • Finanzierungsplan (Eigenleistung, Zuschüsse von Dritten, von Rottenburg-Stuttgart erbetene Hilfe);
  • Empfehlungsschreiben des Ortsbischofs und/oder Ordensoberen (keine Photokopien!);
  • Gegebenenfalls Baupläne, Kostenvoranschläge, Landkarten, Photos, Gutachten von Sachverständigen...;
  • Bei Einkommen schaffenden Projekten: Kosten-Nutzen-Rechnung


Bei Bewilligung von Geldern wird der/die Antragsteller/in gebeten, uns baldmöglichst eine Empfangsbestätigung, Abschluss- bzw. Evaluierungsberichte, Informationen über die Zukunft des Projektes, Projektbilanzen, Photographien sowie andere relevante Unterlagen zu schicken.