Weltkirche

Weltkirchliche Arbeit in der Diözese Rottenburg-Stuttgart

Trotz aller sozialen, ethnischen und kulturellen Unterschiede und Konflikte spüren wir, dass unsere Welt mehr und mehr im Begriff ist, zu der "Einen Welt" zusammenzuwachsen. Die modernen Kommunikations- und Verkehrsmittel, die wirtschaftlichen und technologischen Verflechtungen haben die Erdteile, die Völker und Menschen miteinander vernetzt wie nie zuvor. Die Welt ist dabei, im besten Sinn zu einem „globalen Dorf" zu werden."

Dies gilt im positiven Sinn, hat aber natürlich auch erhebli­che inhaltliche Konsequenzen. Denn es geht um bedeutende und für die Zukunft nachhaltig wirksame Fragen der Menschheit, um Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung, Entwicklung der Völker. Dabei können wir nicht länger nur aus unserer nationalen Perspektive heraus den­ken und handeln. Darum gilt heute mehr denn je ein Satz, den die deutschen Bischöfe bereits vor mehreren Jahren for­mulierten: "Dies ist in besonderer Weise die Stunde einer Kirche, der die Katholizität, eine universale, weltweite Sen­dung und zugleich Verantwortung eingestiftet ist und die mit einer 2000-jährigen Geschichte gleichsam der älteste ,global player' ist" (Die eine Sendung und die vielen Dienste). Wohl wahr: Keine andere internationale Institution verfügt über ein solch engmaschiges, weltweit-tragendes Netz von Mitar­beitern, die so gut organisiert und strukturiert sind, so qua­lifiziert und uneigennützig arbeiten wie die Kirche. Sie sind vielfach Motor und Träger von Entwicklung.

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart ist gut eingebunden in die­ses den Erdkreis umspannende Netz weltkirchlicher Verbun­denheit. In vier Jahrzehnten des weltweiten Engagements sind vielerorts Initiativen gewachsen, die in partnerschaftli­chen Kontakten zu Schwesterkirchen, Gemeinden und Ver­bänden in aller Welt ihren weltkirchlichen Gemeinsinn zum Ausdruck bringen und leben. So ist die Diözese Rottenburg-Stuttgart heute im Blick auf die Weltkirche für zukünftige Aufgaben gut gerüstet durch ihre weltkirchlichen Verbindun­gen und Strukturen, durch die vielgestaltigen Formen welt­weiter Solidarität auf allen Ebenen und in allen Bereichen der Diözese.

Es wird jedoch nicht ausreichen, nur Bewährtes fortzuführen. Zu groß sind dafür die Herausforderungen und Gefährdun­gen, denen wir begegnen im Hinblick auf ein friedliches Mit­einander der Kulturen und Religionen, auf die Beseitigung von extremer Armut und ungerechten Handelstrukturen weltweit, bei der Bekämpfung von Seuchen und Krankhei­ten, den Folgen des Klimawandels und der Benachteiligung von Frauen und Mädchen, wie auch bei der Verwirklichung elementarer Bildungsmöglichkeiten für alle.

Viel stärker und intensiver müssen wir uns wieder einlassen auf eine tiefgreifende, innere Erneuerung, um in der Nachfol­ge Jesu Christi und im lebendigen Bewusstsein der eigenen Verantwortung unseren Anteil zu übernehmen an der Ver­breitung des Evangeliums, "das zugleich Evangelium vom Leben, von Freiheit, Gerechtigkeit und Versöhnung ist". (Die eine Sendung und die vielen Dienste). Und gerade dafür ist unabdingbar, dass auch jede Gemeinschaft in unserer Diöze­se "den Raum ihrer Liebe bis zu den Grenzen der Erde aus­weitet und eine ähnliche Sorge für jene trägt, die in der Feme leben, wie für jene, die ihre eigenen Mitglieder sind" (Ad Gentes, 37).

Der hier vorliegende Beschluss des Sechsten Diözesanrats der Diözese Rottenburg-Stuttgart zur weltkirchlichen Arbeit in der Diözese greift die Grundlegung und praktischen Impul­se des Worts der deutschen Bischöfe „Allen Völkern sein Heil" zur Mission der Weltkirche auf. Erzeigt, wie weltkirch-l/che Verantwortung von Diözese, Verbänden, Gemeinden, Gemeinschaften und dem einzelnen Gläubigen im Kontext der Katholischen Kirche in Deutschland wahrgenommen werden kann, indem wir uns als Teil einer weltweiten Gebets-, Lern- und Solidargemeinschaft verstehen.

Rottenburg, 31. Mai 2007

Gebhard Fürst

 

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Weltkirchliche Arbeit  in der Diözese Rottenburg-Stuttgart