Mutiger Einsatz für Frauen
Schwester Lorena Jenal OSF steht Frauen bei, die Opfer des Hexenwahns auf Papua-Neuguinea wurden. Auf Einladung der missio Regionalstelle war sie in der Diözese zu Gast.

Entschlossenheit, Mut und Gottvertrauen sind Schwester Lorenas wichtigste Werkzeuge im Einsatz für Opfer des Hexenwahns in Papua-Neuguinea. Rund 420 Frauen konnte sie retten, ihnen Schutz und Fürsorge im “Haus der Hoffnung” geben. Denn Hexenwahn ist nicht nur ein dunkles Kapitel der europäischen Geschichte bis ins 18. Jahrhundert, er findet auch heute statt - mit erschütternden Paralellen zur damaligen Zeit.
“Als ich als junge Schwester 1979 nach Papua-Neuguinea kam, war es für mich das Paradies”, berichtet die Schweizer Ordensfrau im Gespräch mit dem Team der Hauptabteilung Weltkirche in Rottenburg. Sie lebte zu Beginn bei einer Familie, tauchte tief ein in das alltägliche Leben der Menschen, in Kultur und Sprache. “Die Freundlichkeit der Menschen ist etwas ganz Besonderes”, beschreibt sie. “Man lernt, miteinander Wege zu finden”. In früheren Konflikten, den Sippen-Kriegen Ende der 80er Jahre, seien Frauen und Kinder immer geschützt gewesen. Erst nach und nach kamen moderne Waffen, moderne Medien und eine Eskalation von Grausamkeit und Gewalt auf die Insel. “Ein Gewaltpotenzial, das ich nie erwartet hätte”, erinnert sie sich. Dann, im Jahr 2012, wurde die erste Frau Opfer des Hexenwahns. “Wir waren darauf nicht vorbereitet, es war für uns unvorstellbar.”
Zum Beispiel Rika. In ihrem Dorf starb ein schwer nierenkranker Mann und Rika wurde beschuldigt, ihn als Hexe umgebracht zu haben. Sie habe ihn verhext, habe sein Herz verzehrt und ihn getötet. Männer folterten die junge Frau, zwangen sie, Namen von anderen Hexen zu nennen. “Ich ging , um Rika und die beiden anderen Frauen herauszuholen”, beschreibt Schwester Lorena. Die Menschen warfen Steine, beschädigten ihr Auto, drohten ihr. Doch Schwester Lorena blieb dabei: “Sie sind wie wir das Abbild Gottes, deshalb werde ich nicht gehen, bevor die Frauen mitkommen”. Zunächst war nichts auszurichten, deshalb fuhren Schwester Lorena und der sie begleitende Inspektor wieder ab, um am nächsten Tag wieder zu kommen. “Es war Karsamstag, die Frauen waren in Ordnung und wir vereinbarten, sie am Ostersonntag zu holen”, erinnert sich Schwester Lorena. Doch: “Während wir Osternacht feierten, haben sie unsere Frauen fast getötet”. Eine der Frauen starb Wochen später im Spital, alle drei waren schwer verletzt. Auch Rika kämpfte im Krankenhaus um ihr Leben. Heute ist sie Mitarbeiterin im “Haus der Hoffnung”, das Schwester Lorena im Jahr 2021 gründete, um Schutz und Hilfe zu geben.
Das “Haus der Hoffnung" ist mehr als ein Zufluchtsort. Hier begleitet Schwester Lorena und ein Team aus sieben Mitarbeitenden die Frauen auf dem Weg der Heilung und Vergebung. “Es ist ein ganzheitlicher Prozess, der sehr schwer ist” sagt die mutige Ordensfrau. Für ihr Engagement wurde sie mit dem Weimarer Menschenrechtspreis ausgezeichnet und hat weiter den Pauline Jaricot Preis von missio erhalten.
Erschreckend sind die Paralellen zur Hexenverfolgung, wie sie bis ins 18. Jahrhundert in Europa stattgefunden hat: Auslöser sind oft äußere Bedrohungen wie Unwetter, Seuchen oder Konflikte, für die ein Sündenbock gesucht wird und die “bösen Mächten” zur Last gelegt werden. “Es ist ein Wahn, es gibt keine Logik”, so Schwester Lorena. Leider seien es auch Christen, auch Priester, die diesem Wahn anhängen und ihn sogar mit verdrehter Theologie zu rechtfertigen versuchen. Und ja: Es gebe Gesetze in Papua-Neuguinea, die Folter verbieten. Doch Korruption sei ein großes Thema. “Rechte haben und Rechte wahrnehmen können, fehlt leider in unserer Gesellschaft.”
In einem Interview mit missio sagte sie, am wichtigsten sei, bei ihren Einsätzen zwischen Krankenhaus, Polizeistation und Gericht den Menschen stets nahe zu bleiben. “Ich selbst bin eine Brücke, um die Menschen in ihre persönliche Freiheit zu führen.”
Auch auf dem Katholikentag in Würzburg berichtete Schwester Lorena Jenal von ihrer Arbeit und dem “House of Hope”. Auf der Webseite von missio finden sich ausführliche Informationen unter anderem im Bericht zur Preisverleihung 2024. Schwester Lorenas eigene Webseite finden Sie unter www.sr-lorena.ch
