"Bodenlos - Unser Umgang mit einer Lebensgrundlage - hier und weltweit"

"Wenn ein Boden einmal versiegelt ist, dann verändert sich seine Beschaffenheit. Er kann nie mehr so hergestellt werden, wie er ursprünglich war", so erläuterte der Diplom-Geograph Peter von Schnakenberg am vergangenen Wochenende unseren Umgang mit dem "Boden".

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sdr

Vom verschiedenen Aufbau des Bodens bis hin zu Themen wie Versiegelung und Desertifikation und Zerstörung des Bodens hier und weltweit konnten die 22 TeilnehmerInnen des dritten Seminars der Reihe "Weltkirchliche Perspektiven" erfahren. Als Tagungsort bot sich das Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) in Benediktbeuern ideal dafür an. Aus dem großen Thema "Schöpfung bewahren" wählten die Veranstalter das Thema "Boden" aus. Auch der Leiter des ZUK, Pater Karl Geißinger, war mit von der Partie.

Der Malerpriester Sieger Köder schuf für die Kapelle des ZUK ein Schöpfungsfenster, das Pater Geißinger zu Beginn des Seminars vorstellte, und zusammen mit den Teilnehmer/innen die verschiedenen Facetten des Lebens auf der Erde entdeckte. Gabriele Winkler von der Engagement Global (EG) Außenstelle in Stuttgart gab nach einer Vorstellungsrunde mit den Erfahrungen zum Thema einen Überblick über die Aktivitäten von EG und den zahlreichen Unterstützungsmöglichkeiten für Aktive, die von Referentenvermittlung bis zur finanziellen Beteiligung reichten.

Das "Benediktbeurer Labyrinth" bildete den Einstieg in den Samstag. Unter der Anleitung von Philipp Schröder konnten die weltkirchliche Interessierten und Engagierten ganz wörtlich "Boden unter die Füße" nehmen und damit bewusst dem eigenen Lebensweg über diese Erde nachspüren.

Der Diplom-Geograph Peter von Schnakenburg aus Stuttgart stellt dann mit zahlreichen Folien den Aufbau und die verschiedenen Betrachtungsweisen von "Boden" vor. Mit Filmbeispielen ging er dann auch auf die weltweiten Probleme wie Land Grabbing (Landraub), Desertifikation durch z.B. Übernutzung oder unsachgemäßer Behandlung und Zerstörung von Böden ein. Auf den "Boden der Tatsachen" ging es dann am Nachmittag bei einer Moorführung von Elisabeth Pleyl. Sie ist die Gebietsbetreuerin der Isar-Loisach-Moore im Naturschutzbüro in Benediktbeuern. Eigenartig fühlte es sich da an, auf einem Stück wieder bewässertem Moorboden zu stehen, und zu sehen, wie beim Auftreten aus dem fest scheinenden Untergrund Wasser hervorkommt man zu "schwimmen" scheint. Jahrtausende dauerte es, bis die Entwicklung unserer Böden so zustande kam, wie wir sie heute kennen. Innerhalb von Jahren oder Jahrzehnten zerstöre jedoch der Mensch mit seinem nicht selten rücksichtslosen Verhalten immer mehr diese wertvolle Lebensgrundlage für Mensch, Pflanzen und Tiere. Gerade die Versiegelung durch Wohnungs- und Straßenbau greife immer mehr um sich.

Einen Blick in die Welt ermöglichte der Vortrag von Erika Torres Barrera aus El Salvador, die als Misereor-Gast derzeit in Deutschland ist und mit der Diözesanreferentin Isabel Otterbach die Gruppe in Benediktbeuern besuchte. Bei einem öffentlichen Vortrag berichtete sie über ihr Projekt FUNDASAL. Darin gehe es zunächst vor allem um Bodenrechte für die Menschen in ihrer Heimat und um einen würdigen Wohnraum.

Nach einem Gottesdienst am Sonntagmorgen mit der Gemeinschaft der Salesianer Don Boscos in der Klosterkapelle stellte Anton Stegmair das Vorbereitungsdokument zur sog. "Amazonassynode" vor. Sie wird im Oktober 2019 in Rom stattfinden. Dabei gehe es um das "Ökosystem Amazonas", das durch Raubbau und Zerstörung in immensem Umfang in Gefahr sei. Neben dem ökologischen Aspekt gehe es aber auch auf eine "Erdung" der Pastoral, was ebenfalls im Dokument angesprochen sei. Kurz ging er auch auf das 10-Punkte-Papier der Bischöfe in Deutschland zur Nachhaltigkeit ("Schöpfungsverantwortung als kirchlicher Auftrag", Arbeitshilfe Nr. 301 der DBK) ein. Diese gelte es jetzt beherzt anzugehen und die Botschaft vom "Leben für alle" im praktischen Handeln erfahrbar zu machen.

Das nächste Seminar der Reihe findet vom 22. - 24. November 2019 im Exerzitienhaus St. Paulus in Leitershofen bei Augsburg statt. Es wird unter dem Thema "Interreligiöser/interkultureller Dialog" stehen.

Das Seminar "Weltkirchliche Perspektiven" findet in einer Kooperation der (Erz-)Bistümer Augsburg und München-Freising, der Missio-Diözesanstelle Rottenburg-Stuttgart, der Comboni-Missionare Mellatz und der Petrus-Claver-Schwestern in Augsburg statt. Neu dabei ist bei dieser Seminarreihe die "Engagement Global" Außenstelle in Stuttgart.

Anton Stegmair (Bistum Augsburg)