Uganda: Zwischen Prävention und dem Kampf ums Überleben

Die Regierung Ugandas hat seinen drastischen Lockdown des Landes angeordnet. Vor dem Hintergrund des schwachen Gesundheitssystems des Landes erscheint diese Strategie zunächst sinnvoll. Tatsächlich hält sich die Ausbreitung des Virus in Grenzen. Aber: Für die Bevölkerung steht der Kampf ums Überleben im Vordergrund.

Verteilung von Lebensmittelpaketen. Foto: Caritas Kampala

Derzeit steht jedes Land vor der Herausforderung, die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen und gleichzeitig die sozioökonomischen Folgen gering zu halten. Die Regierung Ugandas hat seit dem 1. April einen drastischen Lockdown des Landes angeordnet, nachdem Ende März die ersten Fälle von Covid-19 im Land registriert wurden. Die Nutzung von öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln ist untersagt, nur Lebensmittelgeschäfte dürfen öffnen. Es besteht eine nächtliche Ausgangssperre. Vor dem Hintergrund des schwachen Gesundheitssystems des Landes erscheint diese Strategie zunächst sinnvoll. Tatsächlich hält sich die Ausbreitung des Virus in Grenzen und es wurden offiziell noch keine Todesfälle infolge einer Covid-19-Infektion registriert.

Für die Bevölkerung allerdings steht nicht der Kampf gegen die Krankheit, sondern der Kampf ums Überleben im Vordergrund. Rund drei Viertel der Bevölkerung Ugandas arbeitet im informellen Sektor, sei es als Straßenverkäufer, Näherin oder Mechaniker im Hinterhof. Mit diesen Tätigkeiten verdienten sie sich ihren Tagesunterhalt, sie lebten von der Hand in den Mund. Durch den Lockdown sind all diese Arbeiten derzeit nicht mehr möglich, und Millionen UganderInnen wissen nicht, wie sie ohne Vorräte und Ersparnisse ausreichend Essen kaufen sollen.  

Besonders prekär ist die Lage der rund 80.000 Geflüchteten, die im Großraum Kampala leben. Registrierte Flüchtlinge erhalten zwar eine Arbeitserlaubnis, müssen jedoch aufgrund der fehlenden Ausbildungs- und Jobmöglichkeiten besonders häufig im informellen Sektor ihr Geld verdienen. Als Reaktion auf die Folgen der Corona-Pandemie konnte die Caritas Kampala mit Unterstützung der Diözese Rottenburg-Stuttgart ihre Hilfsmaßnahmen für die Geflüchteten erweitern. MitarbeiterInnen der Caritas verteilen Pakete mit Grundnahrungsmitteln an geflüchtete und – zu einem kleineren Anteil – einheimische Familien. Darüber hinaus erhalten die Begünstigten einen Bargeldbetrag, mit dem sie je nach Bedarf weitere Lebensmittel oder die Miete bezahlen können. Zudem leistet Caritas Kampala über Radiospots Aufklärungsarbeit über Covid-19, um einer Verbreitung von Falschnachrichten entgegen zu wirken.

Am 4. Mai hat die Regierung den Lockdown um weitere zwei Wochen verlängert und eine verstärkte Testung der Bevölkerung angeordnet. Anhand der Ergebnisse zur Durchseuchung soll über Lockerungsmaßnahmen beraten werden. Es bleibt zu hoffen, dass dann auch die sozioökonomischen Nöte der Menschen mehr in den Blick genommen werden.

Julia Moos, Regionalreferentin für franko- und anglophone Länder in Afrika