Samstag, 14. September 2019

Chennai | Tamil Nadu: Heute Morgen sind wir, anders als gestern Morgen, nicht im Tübinger Bett, sondern schon in Indien aufgewacht. Nachdem wir die Nacht in einem Pastoralzentrum in Chennai im indischen Bundesstaat Tamil Nadu verbracht hatten, erwartete uns – nach einer Stärkung durch einen geistlichen Impuls – direkt ein erstes kleines Tageshighlight: das Frühstück! Father Ramesh erklärte uns die Speisen, und es schmeckte alles hervorragend – ich kann es nur empfehlen, mit Reis und Linsen-Chutney in den Tag zu starten.

Unser erster Stopp war das Grab des Apostels Thomas. Für mich faszinierend war die Tatsache, dass sich die Basilika von Chennai und das Apostelgrab direkt neben Santiago de Compostela (Grab des Apostels Jakobus) und den Petersdom in Rom stellen. Obwohl beides Tausende von Kilometern von einander entfernt liegt, erinnert die Art der Verehrung des Apostels Thomas sehr an bereits in Rom Gesehenes. Besonders schön finde ich aber, dass die Art der Verehrung des Apostels Thomas im gelebten Glauben eine andere ist. Bei uns eigentlich „nur“ bekannt als „ungläubiger Thomas“, steht er hier in anderem Licht. Er steht für das Begreifen wollen und Hinterfragen und dadurch auch für das Ernstnehmen des Glaubens an Jesus Christus.

Das stößt einen kleinen Denkprozess an: dieselbe Person, ähnliche Angelegenheiten aus einem anderen Blickwinkel sehen lernen. Deshalb haben wir sechs uns auch auf den Weg hier her gemacht. Diese Haltung empfinde ich als enorm wichtig, gerade auch als Einstellung, um über strukturelle Veränderungen in der Kirche nachzudenken.

Das wurde deutlich, als wir später – nach längerer Fahrt - sehr herzlich durch den Generalvikar der Diözese Vellore empfangen wurden. Fr. Ramesh, unser Begleiter, ist Priester der Diözese Vellore. Er hat in Deutschland Pastoraltheologie studiert, und die pastorale Praxis hier vor Ort in Vellore wird uns sicherlich neue Perspektiven eröffnen.

Mit dieser großen Freude auf den weiteren Austausch sehr ich gespannt den interessanten und kompakten zwei Wochen entgegen, die vor uns liegen. Ich bin gespannt, was sie mit uns machen werden, vor allem, weil es für mich das erste Erlebnis von Weltkirche ist.

Anna Flaith