Mittwoch, 18. September 2019

Für den heutigen Tag steht der Besuch von zwei Partnerschaftsprojekten der Diözese Rottenburg-Stuttgart an.

Nach dem Frühstück brechen wir auf zu einem Heim der „Sacred Heart Sisters“ für Mädchen und Frauen mit geistiger Behinderung in Chengam. Dort hat die Diözese den Bau eines Speisesaals finanziert. Behindertenarbeit ist in Indien eine sehr wichtige karitative Aufgabe. Menschen mit Behinderung werden häufig aus Scham von ihren Familien verstoßen oder manche Kinder sogar zum Betteln verkauft. Die Schwestern holen die Frauen und Mädchen aus den Familien oder häufig sogar von der Straße und ermöglichen ihnen in Chengam ein menschenwürdiges Leben.

In Chengam angekommen, werden wir sowohl von den Schwestern als auch von den Bewohnerinnen sehr herzlich in Empfang genommen. Wir bekommen selbst gebastelte Papierblumen geschenkt, und die Mädchen führen einen eigens für uns eingeübten Tanz auf. Es ist schön zu sehen, wie sie sich über ihr ganz ungewohntes Publikum und den Beifall freuen.

Im großen Speisesaal bekommen wir zum Abschluss des Besuchs ein leckeres Mittagessen.

Wir machen uns auf den Weg zur zweiten Besuchsstation, der „St. Joseph Higher Secondary School“, die sich in Trägerschaft der „Sacred Heart Brothers“ befindet. Dort hat Fr. Ramesh die Schule besucht. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart finanziert dort einen neuen Anbau, da die Schule für die steigende Zahl der Schüler zu klein geworden ist.

In Indien müssen die Eltern Schulgeld für den Schulbesuch ihrer Kinder bezahlen. Manche Familien sind allerdings so arm, dass sie sich das nicht leisten können. Um einen Weg aus der Armut zu finden, brauchen die Schülerinnen und Schüler aber eine gute Schulbildung. Deshalb leistet die katholische Kirche mit eigenen Schulen sehr viel Bildungsarbeit, vor allem in Südindien. Dort können Schülerinnen und Schüler aller Religionen Voll- und Teilzeitstipendien erhalten und auch einen höheren Abschluss erlangen.

Nach dem Besuch der Baustelle und einer kurzen Tee- und Kaffeepause geht es auch schon weiter. Unterwegs werden wir in eine Schule für blinde Kinder und Jugendliche eingeladen, der einzigen ihrer Art im weiten Umkreis. Deshalb übernachten die Kinder auch dort. Zum Glück ist Blindheit in Indien nicht in gleicher Weise verpönt und tabuisiert wie geistige Behinderung, sodass die Schülerinnen und Schüler in den Ferien bei ihren Familien zu Hause leben können.

Diese Schule hat einen Schwerpunkt in der Musikerziehung, und so werden wir von einem kleinen Orchester und einem Chor aus fünf jungen Menschen begrüßt. Es ist beeindruckend, wie die Schülerinnen und Schüler trotz ihrer Blindheit auf ihren Instrumenten spielen können. Alle Noten auswendig zu lernen ist sicher eine Menge Arbeit.

Nach der Führung durch diese Schule steht noch ein weiteres Highlight des Tages an: Fr. Ramesh führt uns in sein Heimatdorf Tumkur. Die Herzlichkeit, mit der uns die Menschen hier – ebenso wie in Palallapakam – begegnen, ist für mich sehr beeindruckend und wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Es ist auch schön zu sehen, wie Fr. Ramesh sich freut, uns in seinem Elternhaus seinen Vater und seinen Bruder mit dessen Familie vorstellen zu können. Auch die Kirche seines Dorfs zeigt er uns, die nach seinen Vorstellungen mit starker Unterstützung der katholischen Kirchengemeinde in Calw errichtet worden ist. Auch die Gemeinde St. Paulus in Tübingen fördert viele Menschen und Projekt in Tumkur und hat maßgeblich an der Entwicklung der Dorfgesellschaft mitgewirkt.

Ein weiterer ereignisreicher und gelungener Tag mit herzerwärmenden Begenungen, an dessen Ende wir wieder ins Bischofshaus nach Vellore zurückkehren.

Isabel Mahler