Freitag, 20. September 2019

Dass wir nun wirklich in Kerala, dem „Land der Kokosnüsse“ (kera = Kokosnus, ala[m] = Land) angekommen sind, wird uns heute so richtig bewusst. Unsere erste Etappe führt uns in die Berge hinauf nach Vanayad. Im Gegensatz zu Tamil Nadu kommen wir durch grüne Urwälder, fruchtbare Landstriche und vorbei an großen Häusern, aber auch sehr einfachen Behausungen. Generell zählt Kerala zum „reichen Süden Indiens“.

Auf der Karimani-Tea-Plantation werden wir zunächst durch die Produktionshallen geführt. Die von drei Ordenspriestern geleitete Non-Profit-Organisation besitzt kein eigenes Land, sondern wird von rund 500 Teefarmern beliefert. Wiederum 150 von ihnen sind Anteilseigner und sowohl – wie alle Farmer – faire Löhne als auch die Gewinne aus dem Verkauf ausbezahlt. Dieses Konzept ermöglicht den sonst armen Landwirten die Chance auf angemessene Bezahlung. Hier wird deutlich, dass sich die Priester ganz klar als soziale Arbeiter für benachteiligte Menschen sehen. Sie setzen sich an deren Seite politisch für ihre Rechte ein. Nach der gestern doch sehr exklusiven Grundhaltung im „Good Shephard Seminary“ hat mich die karitative Gesinnung und Arbeit der Priester hier sehr beeindruckt.

Im Anschluss bekommen wir die Gelegenheit, mit dem Besuch eines von Ordensschwestern betriebenen Ayruveda-Hospitals die älteste indische Heilkunst kennenzulernen. Dort erwartet uns auch der Erzbischof von Talassery, George Njaralakatt, der einige Tage zur Behandlung in der Klinik ist. Er begegnet uns sehr gastfreundlich und bescheiden, nimmt an der Führung durch das Haus teil und zeigt uns sogar sein schlichtes Zimmer dort.

Nach Einblicken in Behandlungsmethoden, in die Herstellung der Medizin und den Heilpflanzengarten überrascht uns Philipp mit eine Safari-Tour. Zwar haben sich die meisten Dickhäuter schon zum wohlverdienten Feierabend in die Wälder zurückgezogen, doch der eine oder andere Affe, Pfau oder Hirsch läuft uns dann doch noch vor die Linse …  

Lisa Röhrenbach