Samstag, 21. September 2019

Unseren zweiten ganzen Tag in Thalassery beginnen wir vergleichsweise gemütlich. In den Vormittag starten wir mit einem Ausflug. An diesem Geburtstagsmorgen von Raphael ist für uns die erste kleine Überraschung ein unglaublich lebendiger Fischmarkt, den wir unterwegs besuchen. So auffallend wir zwischen den einheimischen Fischern, sind der Geruch und die vielen Farben und natürlich die unglaublich viele Menschen!

Nach diesem kleinen Zwischenstopp erreichen wir nach kurzer Weiterfahrt das „Craft Village Sargalqya“. Das Handwerksdorf begrüßt uns mit einer touristischen Exposition von verschiedenen Souvenirs, was uns zunächst ein wenig skeptisch stimmt, ob wir hier wirklich handgefertigte Produkte finden. Doch kaum haben wir das Tor durchschritten, entdecken wir beeindruckende Handwerker, die Holzskulpturen schnitzen oder Schmuckstücke aus Reis und Kokosfasern. In den Ergebnissen stecken viel Zeit und Leidenschaft; man sieht es deutlich.

Mich begeistert besonders die Weberei. Man kann ganz nahe an den Webstuhl herantreten und genau zuschauen, wie sich diverse Muster bilden. Doch auch die handgefertigte Kleidung, die dort entsteht, erscheint mir so hochwertig, dass sie meilenweit von der minderwertigen Kleidung, die so oft mit Südostasien in Verbindung gebracht wird, entfernt ist!

Ein Verantwortlicher des Craft Village berichtet uns spontan über die Idee dieses Projekts. In diesem Dorf werden Künstler*innen vom Land und den umliegenden Dörfern aufgenommen, in unterschiedlichen Handwerkskünsten ausgebildet und bekommen dann die Möglichkeit, ihre gefertigten Produkte zu verkaufen und einen akzeptablen Preis zu erzielen.

Nachdem wir uns das Dorf angeschaut, Bilder mit Philipp und Fr. Pius geschossen und uns von der Kreativität des Ortes haben anstecken lassen, fahren wir zurück nach Thalassery.

Nach dem wie immer feinen Mittagessen bekommt Raphael seine erste kleine indische Geburtstagsfeier, bei der natürlich eine an Schwarzwälder Kirschtorte erinnernde Süßkreation nicht fehlen darf!

Nach einer sehr wichtigen Ruhepause besichtigen wir dann noch eine Befestigungsanlage in der Stadt, die im 16. Jahrhundert erbaut worden ist. 

Dieser eher touristisch geprägte Tag findet einen wunderbaren Abschluss im Sonnenuntergang am Strand. Die Besonderheit diesen Strandes besteht allerdings in der immer wieder von den Indern stolz eingebrachten Bemerkung, es sei der einzige Drive-in Strand Asiens. So belebt wie die Straßen darf man sich den Strand auch vorstellen. Während am Rand einige Jugendliche den Tag Fußball spielend ausklingen ließen, fahren Familienautos, Motorräder oder Tuc-Tucs am Strand entlang und hupen mich anstelle von anderen Autos beim Muschelsammeln aus dem Weg. Es ist ein buntes Treiben, doch es ist auch ein Ort, an dem man gut zur Ruhe kommen kann.

Nach dem Fototapeten-verdächtigen Sonnenuntergang sind wir zum feierlichen Abendessen in das Pastoralzentrum eingeladen, denn einerseits sollen Raphaels Geburtstag, andererseits und eigentlich hauptsächlich zwei Namenstage von Priestern mit dem Namen Matthäus gefeiert werden.

Für uns ist es eine Ehre, mit Liedern, Torte und wunderbarem Essen als Gäste bei der Feier dabei zu sein.

Anna Flaith