Sonntag, 22. September 2019

Heute geht es früh los mit einer Fahrt in eine kleinere Gemeinde der Diözese Tellicherry. Dort besuchen wir den Katechismusunterricht der Kinder bzw. Schülerinnen und Schüler der Gemeinde. Nach zwei eher touristisch geprägten Tagen tut es gut, wieder in direkten Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung zu kommen und neue tiefe Beziehungen zu erleben. So sitzen wir also einzeln oder zu zweit im Unterricht und erleben den Alltag der Kinder und Jugendlichen. Natürlich kommt auch hier die „Selfie- und handshaking-Session“ nicht zu kurz.

Der Katechismusunterricht findet anstelle unseres Religionsunterrichts in Deutschland statt. Dieser findet in Indien nicht an den Schulen statt, und so müssen christliche Kinder sonntags noch einmal zur Schule kommen – auch hier gibt es Noten und Zeugnisse. Unterrichtet werden sie von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.

Dann folgt der erste Gottesdienst im syro-malabarischen Ritus, den wir erleben. Und den wir als sehr konservativ erleben. Auch hier – zu Beginn des Gottesdienstes – erfolgt vom Altarraum aus wieder eine Vorstellungsrunde und ein von uns, den deutschen Gästen, vorgetragenes Lied. Inzwischen haben wir das so oft erlebt, dass wir uns gegenseitig vorstellen könnten.

Nach einem reichhaltigen Mittagessen im Pfarrhaus der Gemeinde fahren wir mit unserem Busle zu einem Ehepaar der besonderen Art. Dieses Ehepaar nimmt Kinder aus unehelichen Beziehungen auf, da diese sonst aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden und die Mütter sich nicht um sie kümmern können. 16 Kinder und Jugendliche leben zurzeit im Haus, vier von ihnen sind leibliche Kinder des Ehepaars, und alle Kinder wachsen miteinander wie leibliche Geschwister auf. Die Pflegeeltern bekommen keine staatliche Unterstützung. Sie leben von den Erträgen ihrer Landwirtschaft und von Spenden. Und sie leben und handeln vor allem aus ihrer tiefen Glaubenskraft und -motivation.

Nach einem Abstecher zu einem Wasserfall in den umliegenden Bergen führt uns Fr. Philipp, unser „Guide“, weiter zum Nachmittagskaffee im Haus seines Bruders, der im nahe gelegenen Kannur ein Restaurant betreibt und auch für das Mittagessen im Pfarrhaus gesorgt hat.

Von dort geht es direkt weiter zum „Ward-Gebet“, einem geistlichen Hauskreis. Mitglieder der Gemeinde, bei der wir ankommen, treffen sich einmal im Monat bei einer Familie, beten gemeinsam den Rosenkranz und stärken sich gegenseitig in ihren Anliegen und Problemen. Nach dem Gebet werden wir mit großer Herzlichkeit, Wärme und Gastfreundschaft empfangen.

Im Gegensatz zu den Gemeinden in Pallalakupam haben wir keine sprachlichen Barrieren, da die Gemeindemitglieder aus einer höheren Kaste stammen, eine gute Bildung genossen haben und Englisch sprechen. Sie freuen sich aufrichtig, diese Menschen, singen Lieder für uns und überhäufen uns mit Essen. Genau das ist aber auch eine große Herausforderung, da wir die ganze Zeit im Hinterkopf haben, gleich noch zu einer vorgeplanten Einladung mit Abendessen zu fahren.

Fast gesättigt kommen wir also später im Minor Seminary an, einer Internatsschule für zukünftige Priesteramtskandidaten. Es herrscht eine strenge Atmosphäre; wir werden als Ehrengäste empfangen und bewirtet. Diese Stimmung stellt einen starken Kontrast zu der lautstarken Feieratmosphäre in der Gemeinde dar.

Bei einer anschließenden Fragerunde zeigen sich die jungen Leute sehr interessiert, besonders im Hinblick auf die Priesterausbildung in Deutschland. Ein interessantes Detail: Zwei angehende Priester aus der Erzdiözese Tellicherry studieren zurzeit in Tübingen Theologie.

Randvoll mit Impressionen und Begegnungen, endet der Tag in unserer Unterkunft mit der abendlichen Reflexionsrunde.

Katharina Vogler