Donnerstag, 26. September 2019

Zum zweiten Mal starten wir in dieser paradiesischen Idylle von Mithradham in den Tag. Die Vielfalt an Schmetterlingen in dem großen Baum in der Mitte des Innenhofs ist wirklich beeindruckend.

Nach einem leckeren Frühstück machen wir uns auf den Weg in die nahegelegene Stadt Kotchi, um dort die Caritas zu besuchen. Obwohl Kotchi – nach deutschen Verhältnissen gemessen – nicht weit von Mithradham entfernt liegt, benötigen wir aufgrund der Verkehrs- und Straßenverhältnisse zwei Stunden für die Fahrt.

Bei der Caritas in Fort Kotchi – der alten Hafenstadt am Meer – angekommen, werden wir vom Mitarbeiterteam freundlich mit Rosen empfangen. Der ehemalige Caritasdirektor, Fr. Jonathan, lädt uns zunächst einmal in das Direktionsbüro ein, da sich der derzeit amtierende Direktor, Fr. Maryam, zurzeit auf einer Auslandsreise befindet, und bewirtet uns mit Kokosnuss-Milch, die mit einem Strohhalm aus der geöffneten Nuss getrunken wird. Kokosnüsse sind in Kerala wegen der ungezählten Palmen allgegenwärtig.

Wir erfahren, dass die Caritas in Kotchi u. a. mit Mikrokrediten, aber auch mit Gesprächs- und Beratungsangeboten im Rahmen einer ganzheitlichen Sozialarbeit die Frauen und damit indirekt die Familien stark unterstützt. „Women-Empowerment“ ist das Stichwort. Auf dem Gelände sehen wir auch eine Ausbildungsstätte für Schlosser und sogar eine Caritas-eigene Fahrschule.

Dann werden wir zu einer kleinen Sightseeing-Tour durch das historische Fort Kotchi eingeladen. Zuerst besuchen wir das Bischofshaus. Uns gefällt hier besonders, dass der Bischof seine Gäste und Mitarbeiter an einem runden Tisch empfängt – und ihnen nicht gegenübersitzt.

Ein Besuch im benachbarten Museum schließt sich, in dem zahlreiche sehr schöne Kirchenschätze aus der Zeit der portugiesischen Besetzung ausgestellt sind. Sie erinnern stark an die Ausstattung barocker römisch-katholischer Kirchen in Westeuropa.

Nach eine Kurzvisite zur Holy-Cross-Cathedral, der Bischofskirche von Kotchi, besuchen wir die St. Francis‘ Kirche, die aus dem 16. Jahrhundert stammt und die älteste lateinische Kirche Indiens ist. In ihr erinnert eine Grabplatte an der portugiesischen Eroberer Indiens, Vasco da Gama. Der Leichnam selbst ist später nach Portugal überführt worden und ist heute in Porto bestattet.

Den Abschluss der Sightseeing-Runde bildet ein Weg auf der Uferpromenade, wo wir Fischer beobachten, die mit chinesischen Netzen fischen.

Nach der Tour geht es zurück ins Gebäude der Caritas, wo wir mit einem wirklich festlichen Mahl, zu dem wir großzügig eingeladen werden, bewirtet werden. Besonders lecker sind Fisch und Hummer.

Zwei Mitarbeiterinnen der Caritas begleiten uns anschließend zu einer Shopping-Runde durch die stark touristisch geprägte alte Stadt.

Nach einem langen und ereignisreichen Tag freuen wir uns, schließlich wieder nach Mithradham zurückzukehren. Die Stille hier ist nach dem Tag in der lauten Stadt umso wohltuender.

Isabel Mahler