Impfen worldwide

Um es gleich vorweg zu sagen: Ich stimme nicht ein in den medial vermittelten Mainstream, der sich lautstark beklagt, dass wir in Deutschland zu wenig Impfstoffe erhalten und viel zu wenig impfen. Der Blick in die vom Impf-Nationalismus eines „America first“ (oder eben „Great Britain first“) erfassten Länder verleitet zwar zu dieser Haltung, aber der Blick in die vielen anderen Länder der Welt belehrt uns eines Besseren: In den 50 ärmsten Ländern der Welt zusammen sind bisher nur 0,1 Prozent der weltweit verfügbaren Impfdosen angekommen. Die entwickelten Staaten haben sich bis zu 85 Prozent der Impfdosen reserviert, obwohl sie nur 14 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen.

Wir haben in Deutschland zweifellos keinen Fehler gemacht, indem wir eine innerhalb der EU abgestimmte Impfstrategie verfolgt haben, die nicht nur alle Länder der Europäischen Union berücksichtigt, sondern auch arme Länder des Südens von Vorneherein einbezogen hat. Die weltweite Impfstoff-Initiative Covax ist hier sicher der richtige Weg, um eine weltweite Impfgerechtigkeit zu erreichen, und muss weiter ausgebaut werden.

Auf der anderen Seite beobachtet man aber in letzter Zeit einen Impf-Imperialismus, da Länder wie China, Russland oder Indien versuchen, andere Staaten an sich zu binden, indem sie ihnen große Mengen von Impfstoffen liefern, teilweise sogar schenken. Dies ist eine vergiftete Hilfe, weil sie eigene Interessen in den Vordergrund stellt.

Skandalös ist es, dass die EU für eine Astrazeneca-Impfdosis 1,78 Euro zahlt, während z. B. Uganda für eine Dosis 7 Dollar, also etwa 5,80 Euro auf den Tisch legen muss. Womit ist dies zu rechtfertigen? Umgekehrt müsste die Weltgemeinschaft dafür Sorge tragen (z. B. durch Aussetzung der Patente), dass die armen Länder sehr viel günstiger an den ersehnten Impfstoff gelangen können als wir.

Denn die Pandemie kennt keine Grenzen. Es geht jetzt darum, das Virus in allen Ländern dieser Erde so schnell wie möglich unter Kontrolle zu bringen. Gelingt dies nur in einzelnen Regionen, hat das Corona-Virus Zeit zu mutieren, also sich genetisch zu verändern. Weitere Mutationen könnten unsere Impfstoffe nahezu wirkungslos machen. Solidarität mit schwächeren Staaten wird am Ende also auch uns zugutekommen. Man müsse auch in Entwicklungsländern impfen, „sonst kommt das Virus im nächsten Flieger zu uns zurück", warnte jüngst Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. „Wir besiegen die Pandemie nur weltweit - oder gar nicht." (Siehe dazu auch „Corona-Krise: Was bedeutet sie für die Partner in den Kirchen des Südens?" unter Punkt 4.2)

Domkapitular Msgr. Dr. Heinz-Detlef Stäps

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