Katastrophen und Resilienz. Kreative Lösungsansätze im Umgang mit der Klimaveränderung in Afrika.

„Umweltdynamiken in Afrika: Krisen und innovative Lösungen“ – coronabedingt musste diese Tagung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Weingarten im Dezember 2020 auf zwei Online-Vorträge reduziert werden. Professor Cyrus Samimi vom Institut für Afrikastudien der Uni Bayreuth und Professor Fred Krüger vom Institut für Geographie der Uni Erlangen-Nürnberg waren die Referenten.

Afrika ist weithin als Kontinent der Katastrophen im Bewusstsein der Menschen in der nördlichen Hemisphäre und von den Auswirkungen des Klimawandels extrem betroffen. Dieser sorgt für Trockenheit und Dürren und zugleich für Überflutungen, Heuschreckenplage im östlichen Afrika und die Covid-19-Pandemie tun ihr Übriges zur Belastung der geschundenen Bevölkerung. Dabei gerät leicht aus dem Blick, mit wie viel Innovationskraft die einheimische Bevölkerung Lösungen in der Krise in Angriff nimmt.

So stehen viele Regionen Afrikas mit großen und miteinander vernetzten Nationalparks unter aktivem und durchaus erfolgreichem Naturschutz. Wildtierpopulationen wie Elefanten oder Nilpferde können sich erholen, und obwohl das Zusammenleben Wildtieren und Menschen nicht ohne Konflikte verläuft, sind die Menschen weithin positiv dazu eingestellt. Nicht zuletzt geht es ja auch um attraktive Angebote für den Tourismus und damit um wirtschaftliche Prosperität. Die KfW-Bank und der WWF sind große Player in dieser Entwicklung.

Diese bringt jedoch auch Nachteile für die Bevölkerung mit sich. Land Grabbing und Green Grabbing sind die Stichworte: Die großflächigen Landkäufe für Naturschutzprogramme, mit denen die europäischen Staaten die Umweltbelastungen zuhause kompensieren, reduziert eine flexible Landnutzung durch die zumeist kleinbäuerliche Bevölkerung und bedeutet für diese vielfach auch eine Exklusion. Was unter Gesichtspunkten des Umwelt- und Naturschutzes positive Entwicklungen sind, offenbart andererseits einmal mehr, wie die Länder der nördlichen Hemisphäre ihre Umweltprobleme zulasten der Länder des Südens externalisieren.

Als kreativ und zugleich zwiespältig erwiesen sich auch andere Beispiele – so etwa ein ambitioniertes, durch die KfW und das Unternehmen Strabag gefördertes Schnellbus-System in der knapp sieben Millionen Einwohner zählenden tansanischen Hauptstadt Dar es Salam mit einem jährlichen Zuwachs von fünfeinhalb Prozent. Mit einem Low-Tech-System, das die Anstellung vieler einheimischer Fahrer erlaubte, und einer komplexen Einsatzlogistik wurde es möglich, dass bereits in den ersten Tagen jeweils über 200.000 Passagiere befördert werden konnten. Ein Unglück nur, dass bei einer Überflutung des zur zwei Meter über dem Meeresspiegel liegenden Depots die Hälfte der Busse zerstört wurde. Ausfälle, Proteste der Fahrgäste, eine aufwendige Korrektur eines Flusses, die Verlagerung des Depots an einen logistisch viel ungünstigeren Platz – „kaskadierende Schadensfolgen“ alles in allem und eine Erfahrung permanenten Scheiterns.

Ähnliches lässt sich dort von einer intensiven urbanen Landwirtschaft auf brachliegenden öffentlichen Flächen durch die dortigen Anwohner berichten – eine ideale „grüne Infrastruktur“ zur dezentralen und ortsnahen Versorgung der Bevölkerung und ein gelungenes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements. Doch über allem schwebt das Damoklesschwert der Illegalität, der Vertreibung, der permanenten Unsicherheit, der Beschwichtigung einer korrupten Polizei …

Misserfolgsgeschichten? Zumindest Beispiele einer allgegenwärtigen Zwiespältigkeit. Aber auf jeden Fall auch Zeugnisse einer hohen Resilienz der Bevölkerung. Sie setzt immer wieder eine Kreativität frei, die trotz allem hoffen lässt.

Dr. Thomas Broch

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