Auseinandersetzung mit dem Geschäft des Todes. Ökumenische Handreichung „Was gehen uns Rüstungsexporte an?“

Im Namen der beiden (Erz-)Diözesen und der beiden evangelischen Landeskirchen in Baden-Württemberg hat die Ökumenische AG „Rüstungskonversion und Kleinwaffenexportverbot“ im August 2020 eine Handreichung mit Anregungen und Bausteinen zur Diskussion in Kirchengemeinden, Verbänden und Einrichtungen herausgegeben: „Was gehen uns Rüstungsexporte an?“

„Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“: Dieser Vers aus der „Todesfuge“ von Paul Celan bezieht sich auf die Shoa, die durch nichts relativiert werden darf. Aber die Tatsache, dass Deutschland der viertgrößte Waffenhändler weltweit ist und damit zu den großen Playern unter den „Händlern des Todes“ (Papst Franziskus) gehört, ruft einem Celans Worte doch beklemmend in Erinnerung. Die Kirchen können der Frage „Was gehen uns Rüstungsexporte an?“ nicht in distanzierter Neutralität gegenüberstehen; auch der Diözesanrat der Diözese Rottenburg-Stuttgart hat sich deshalb bereits vor Jahren der „Aktion Aufschrei“ angeschlossen.

Die jetzt vorliegende Handreichung, die auf der Grundlage kirchlicher Beschlüsse zur Rüstungsthematik entwickelt worden ist, ist geleitet von dem Anliegen, dass sich Kirchengemeinden und interessierte Einzelpersonen mit der Problematik der Rüstungsexporte auseinandersetzen. Die Gemeinden sind unterschiedlich betroffen; in einigen sind große Rüstungsunternehmen ansässig, aber auch andere haben sich der Thematik angenommen, mit der sich Krieg, Sterben und Elend weltweit verbinden.

Ziel der Handreichung ist es zunächst, Informationen zur Rüstungsthematik zu vermitteln. Sie wirbt dabei dafür, Gesprächsprozesse respektvoll und konstruktiv zu gestalten, damit gegensätzliche Positionen nicht zu unauflösbaren Verhärtungen führen. Der vertrauliche Gesprächsrahmen, so die Schrift, sei oft hilfreicher als die unmittelbare öffentliche und politische Aktion.

Die Broschüre bietet eine Reihe von „Bausteinen“ und didaktische Materialien an, mit deren Hilfe solche Gesprächsprozesse, kirchliche Aktionen oder Gottesdienste gestaltet werden können – nicht als „Rezepte“, da die örtliche Situation jeweils sehr unterschiedlich sein kann, wohl aber als hilfreiche Unterstützung, um diesen Themenkomplex zu bearbeiten.

Die Handreichung und die Materialien können online bezogen werden über https://www.friedenspfarramt.elk-wue.de/service/materialien/.

S. dazu auch den Kommentar Waffenexporte in dieser Ausgabe unter Punkt 5.

Harald Hellstern/Dr. Thomas Broch

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