Anthony Poola. Zum ersten Mal wird ein Dalit zum Kardinal kreiert.

Papst Franziskus hat mit Anthony Poola zum ersten Mal in der Kirchengeschichte einen Angehörigen der untersten Kaste der Dalits in Indien zum Kardinal erhoben. Friedrich Hägele, der 1. Vorsitzende des Aalener Freundeskreises „Indienhilfe e. V.“, berichtet darüber.

Eine freudige Nachricht hat mich erreicht: „Bischof Anthony Poola wurde von Papst Franziskus am 29. Mai 2022 zum Kardinal ernannt“, teilte mir Pfarrer Marreddy mit, der seit 34 Jahren unser Ansprechpartner in Indien ist. Bischof Anthony Poola war mehrmals in Aalen und wohnte während seiner Aufenthalte in Deutschland immer bei meiner Familie.

Anthony Poola wurde in Chindukur, einer Außenstation der Pfarrei von Polur, die Pfarrer Marreddy leitet, geboren. Poolas Vater war Katechet in diesem Dorf. Er selbst studierte in Chicago Theologie, wurde 1992 zum Priester geweiht; seine Ernennung zum Bischof der Diözese Kurnool erfolgte im Jahr 2008.

Er war „unser Bischof“, hat alle unsere neu erbauten Schulen, Internate und Zentren für Menschen mit Behinderung eingeweiht, und er schätzte unseren Einsatz für diese Menschen  und für die Kinder aus den untersten Kasten in seiner Diözese sehr. Wenn er hier war, begleitete ich ihn zu den Ordinariaten vieler deutscher Diözesen, wo er um Unterstützung für seine pastoralen Projekte in seiner Diözese bat und zumeist auch bekam. So ist in den Jahren eine Freundschaft entstanden, und bei jedem Indienbesuch wurde ich mit den anderen  Reiseteilnehmern ins Bischofshaus nach Kurnool eingeladen.

Bischof Poola wurde im November 2020 zum Erzbischof von Hyderabad ernannt und ist einer der 21 Kardinäle, die im Mai 2022 ernannt wurden. Damit erreichte erstmal ein Dalit ein so hohes kirchliches Amt. Die katholischen Dalits forderten schon lange ein Ende des Kastensystems innerhalb der katholischen Kirche und wurden bei der Vergabe von hohen kirchlichen Ämtern meistens übergangen. Man hörte daher auch schon von Abspaltungstendenzen. Mit dieser Kardinalsernennung wurden diese Forderungen jedoch von Papst Franziskus erfüllt. Diese Ernennung eines Dalit ist auch ein Signal an die indische Regierung, die in den Dalits nur ein großes Heer für eine leichte Ausbeutung sieht, die ihrerseits wenig Hilfe erwarten können. Indien wandelt sich derzeit von einer Demokratie zu einer autokratischen fundamentalistisch-hinduistisch geprägten Staatsform. Minder­heiten werden unterdrückt. Dass unter den im Frühjahr ernannten Kardinälen zwei Inder sind – neben Anthony Poola ist auch der Patriarch und Erzbischof von Goa, Filipe Neri António Sebastião Ferrã, zu nennen – ist ein wichtiges Zeichen, denn Indien liegt in der Liste der Länder, in denen Christen verfolgt werden, noch vor China und Saudi-Arabien an zehnter Stelle.

Friedrich Hägele

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