Corona-Krise: Was bedeutet sie für die Partner in den Kirchen des Südens?

In der reichen Stadt Hamburg sind zuletzt 13 obdachlose Menschen auf den Straßen der Stadt gestorben, sechs davon sind erfroren. Solche und ähnliche Meldungen nehmen auch in Deutschland zu – ein Skandal! Im „globalen Süden“ sind vergleichbare Ereignisse noch nicht einmal eine kurze Nachricht wert. Dort sind Gesundheitssysteme total überfordert, staatliche Hilfeleistungen gibt es (fast) nicht, die Ärmsten haben keine Versicherungen, keinen Zugang zu sauberem Wasser, Seife und Masken, keine feste Arbeit… und vor allem: keine Perspektive, kaum noch Hoffnung. Sie bekommen die Folgen von Corona am meisten zu spüren.

Ein Bündnis europäischer Hilfsorganisationen stellt bei einer Umfrage im Subsahara-Afrika u.a. fest: 42 Prozent sagen, sie haben heute weniger zu essen; 90 Prozent der Befragten verdienen heute weniger Geld als vor der Pandemie. In zwei von drei der befragten Familien haben Kinder nun einen deutlich schlechteren Zugang zu Bildung. Hinzu kommt die psychische Belastung: 80 Prozent der Befragten geben an, dass sie heute besorgter sind, 78 Prozent der Frauen sind trauriger als zuvor.

Misereor erkennt im Fokus der Pandemie und ihrer Folgen für die Menschen im Süden „die dringende Notwendigkeit zur Transformation wesentlicher Bereiche unseres Lebens und Wirtschaftens. Es ist höchste Zeit, neben der Bekämpfung der Virus-Krise grundlegende systemische Veränderungen mit größerer Entschlossenheit voranzutreiben.“

Caritas International betont: „Die Afrikanische Union hat sich bisher die Lieferung von 270 Millionen Impfdosen vertraglich gesichert, von denen 50 Millionen bis Juni zur Verfügung stehen sollen. Das reicht nicht für alle 55 Mitgliedstaaten, also für 1,2 Milliarden Menschen. Zum Vergleich: Die EU mit 447 Millionen Einwohnern hat inzwischen 2,3 Milliarden Dosen für 2021 bestellt. Die Pandemie ist aber erst dann zu Ende, wenn das Virus weltweit besiegt ist. Dazu ist eine gerechte Verteilung des Impfstoffes unter den Ländern nicht nur moralisch geboten, sondern auch zwingend notwendig.“

Dr. Willi Knecht

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