Einblicke

Diözese Rottenburg-Stuttgart will sich für Flüchtlinge im Norden von Tansania einsetzen

In den deutschen Medien wird wenig davon berichtet, aber es gibt Flüchtlinge in Tansania. Sie kommen aus den Nachbarländern Burundi, Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo, wo kriegerische Auseinandersetzungen sie aus der Heimat vertrieben haben.

Im Norden von Tansania besuchten wir den Bischof von Kigoma, Joseph Mlola, der uns in Kibondo zu einem von der UNHCR betreuten Flüchtlingscamp begleitete. Im Nduta-Camp werden mehr als 100.000 Flüchtlinge aus Burundi betreut, in allen drei Camps in Kibondo zusammen sind mehr als 335.000 Menschen auf der Flucht.


Caritas Kigoma hat die Aufgabe übernommen, in den Camps für Bildung zu sorgen. Sie unterhalten 6 Grundschulen und eine weiterführende Schule in den Camps, die zum größten Teil von Lehrern betreut werden, die selbst Flüchtlinge sind. Mit 78 Caritas-Angestellten und 500 Helfern unter den Flüchtlingen versuchen sie die ungeheure Aufgabe zu stemmen, dass 49% aller Bewohner der Camps Kinder im Schulalter sind, wenn auch viele Kinder von ihren Eltern nicht zur Schule geschickt werden, da sie zum Unterhalt der Familie beitragen müssen.


Ziel des UNHCR und der Regierung von Tansania ist es, die Flüchtlinge wieder in ihre Heimatländer zu integrieren. Deshalb ist der Unterricht zwar von der tansanischen Regierung anerkannt und kann zum Besuch der örtlichen Universitäten befähigen, doch werden die Schulbücher der Herkunftsländer benutzt, die aber nicht leicht zu beschaffen sind, da die Regierung von Burundi nicht kooperieren will. Hier ist die Rolle von Caritas Kigoma entscheidend, da sie in direktem Kontakt mit Caritas Burundi die Schulbücher besorgen kann.
Doch dafür fehlen finanzielle Mittel, genau wie für den Bau von Klassenzimmern (meistens findet der Schulunterricht unter den Bäumen statt), Schulbänken, Toilettenanlagen und Sportgeräten.

Bisher gibt es keine Flüchtlingsprojekte der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Kigoma, doch der Besuch von Domkapitular Dr. Heinz Detlef Stäps, Leiter der Hauptabteilung Weltkirche, gemeinsam mit der für Tansania zuständigen Regionalreferentin Flavia Rizzi, diente dazu, gemeinsame Projekte zu initiieren, damit die Menschen in Zukunft möglichst gut ausgebildet in ihre Heimatländer zurückkehren können, und bis dahin unter guten Rahmenbedingungen in den Camps leben können.


Dies ist möglich, weil das Camp im Gegensatz zu den meisten anderen Flüchtlingscamps, die wir besucht haben, sehr weitläufig ist und die kleinen Ziegelhäuser, welche die Flüchtlinge selbst bauen, in weitem Abstand zueinander stehen, mit kleinen Gärten mit Nutzpflanzen dazwischen, und diese Wohnsituation es den Flüchtlingen ermöglicht, auch über längere Zeit in Tansania bleiben zu können.


Ein besonderes Charakteristikum unserer Reise war, dass wir als ökumenische Delegation durch Tansania reisten und sowohl katholische als auch evangelische Projekte besuchten. Wir reisten gemeinsam mit Oberkirchenrat Prof. Dr. Ulrich Heckel und Kirchenrat Dr. Andreas Kümmerle, die beide in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg für die Hilfsprojekte im Ausland zuständig sind. Und deshalb versuchten wir, vor Ort ökumenische Partnerschaften zu stärken und gemeinsam zu unterstützen. In diesem Sinne wollen wir ein zusätzliches Projekt, das mehrere Kirchen vor Ort organisieren, in naher Zukunft gemeinsam fördern.


Als wir mit Vertretern des UNHCR sprachen, wunderten wir uns, dass dort die Rolle der Kirchen offensichtlich nur in der pastoralen Betreuung der Flüchtlinge gesehen wurde. Die enorme Hilfe für Flüchtlinge, die durch die Kirchen ganz konkret in den Camps z. B. durch den Unterhalt und die Organisation von Schulen geleistet wird, ist dort offensichtlich viel zu wenig im Blick. Zumindest ein Effekt der Arbeit der Kirchen in den Camps müsste auch beim UNHCR anerkannt werden: In einer aus kriegerischen Auseinandersetzungen geflohenen Einwohnerschaft, in der Spannungen und Feindschaften auch im Camp zum Alltag gehören, versuchen die Kirchen zum Frieden zwischen den Religionen und unter den Flüchtlingen beizutragen.

Kibondo, 09.10.18
Domkapitular Dr. Heinz Detlef Stäps
 

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